Die wechselvolle Geschichte Peenemündes ist mit Usedom in typischer Weise verbunden. Seit der deutschen Wiedervereinigung stellt ein Museum mit wachsendem Fundus diese Geschichte mit ihren verschiedenen, höchst widersprüchlichen Facetten dar. Wiege der Raumfahrt oder Labor des Bösen Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1932 wurden bislang im Verborgenen verfolgte Aufrüstungspläne, die gegen die Demilitarisierungsauflagen der Verträge von Versailles verstießen, zur offiziellen Politik. Programmatisch erkennbare Expansionspläne bedurften der Absicherung durch eine Militarisierung der gesamten Gesellschaft und durch eine moderne Bewaffnung. Vor allem bereits bestehenden Ideen und Forschungen wurden auf ihre Umsetzbarkeit geprüft und gezielt vorangetrieben. Erst sehr viel später, als klar wurde, dass eben diese Expansionspläne zur vollständigen Niederlage führen würden, trat der Propagandazweck dieser Waffen in den Vordergrund. Was sich bis dahin in nüchternen taktischen Bezeichnungen von Heer und Luftwaffe ausdrückte, wurde nun mit „V1“, „V2“ und „V3“ bezeichnet, wobei „V“ für „Vergeltungswaffe“ stand. Unklar blieb, was vergolten werden sollte. Die tatsächliche Modernität und waffentechnische Überlegenheit dieser Entwicklungen sollte – unter gewaltigen Aufwenden und Opfern – den Glauben an den Endsieg auch in den letzten Kriegsmonaten festigen. Schon zum Ende des 1. Weltkrieges entwarf der deutsche Ingenieur Herrmann Oberth (1894 – 1989) sowohl die Idee einer Flüssigkeitsrakete mit Alkohol und Sauerstoff als Treibstoff als auch die einer kanonenähnlichen Schleuder, bei der das Geschoss von mehreren Treibladungen durch ein ungewöhnlich langen Kanonenlauf kontinuierlich auf eine bis dahin nicht erreichte Geschwindigkeit beschleunigt wird. Aus diesen groben Entwürfen entstanden zum Ende des 2. Weltkrieges die „V2“ und „V3“. Ebenfalls während des 1. Weltkrieges forschten verschiedene Personen in den USA und in England an unbemannten Kleinflugzeugen, die einen Gefechtskopf ins Ziel tragen konnten. 1934 begannen derartige Forschungen auch in Deutschland (Paul Schmidt, München).

Diese Entwicklungen, später als Marschflugkörper bezeichnet, führten zur „V1“. Die bezogen auf ein recht dicht besiedeltes Gebiet wie Deutschland relativ abgeschiedene Lage von Usedom und seiner Nachbarinsel Wolin machte die Region für geheime Waffenforschungen interessant. Ab 1936 begann der Ausbau des Peenemünder Hakens zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Hier erfolgten die Entwicklung und anfänglich auch die Produktion der „V1“ und „V2“. Daneben wurde die Oberth’sche Schleuder fortentwickelt und auf Wolin erprobt. Allen „Wunderwaffen“ war gemeinsam, dass für ihre Entwicklung, Produktion, für ihren Transport und ihren Einsatz mehr Menschen umkamen als sie zumeist zivile Opfer an ihren Zielen töteten. Ihre aufgrund einfachster Steuerung geringen Zielgenauigkeiten prädestinierte sie als reine Terrorwaffen, die die gegnerische Zivilbevölkerung demoralisieren sollte. Erst ihre Fortentwicklung nach dem 2. Weltkrieg ließ den bizarren Traum von Präzisionswaffen zumindest in Teilen Realität werden. Heute sind die z. T. erhaltenen Reste der Waffenforschungsanstalt Teil einer sehr sehenswerten Museumslandschaft. Zudem können vom nahegelegenen Flugplatz Rundflüge über die Insel unternommen werden. Entdecken Sie die Ostseeinsel Usedom von den komfortablen Ostsee-Ferienwohnungen Loddin von der Inselmitte aus.



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Freitag, August 1st, 2008 at 01:17
Category:
Allgemein
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